Tischler

Allgemeines

Ausbildungsdauer

Tischler/in ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf im Handwerk.


Verkürzung der Ausbildungszeit

In den Ausbildungsordnungen der anerkannten Ausbildungsberufe ist u.a. die Dauer der Ausbildungszeit für jeden Ausbildungsberuf verbindlich geregelt. Das Berufsbildungsgesetz (BBiG) sieht in § 8 Absatz 1 und 2 jedoch auch die Möglichkeit von Abweichungen vor. In begründeten Fällen kann, in Ausnahmefällen muss von den vorgesehenen Regelausbildungszeiten abgewichen werden. Die folgenden Ausführungen stellen in Kürze die wichtigsten Verkürzungstatbestände und ihre praktische Umsetzung dar:


Verkürzungsmöglichkeiten

Als mögliche Gründe für Verkürzungen eines Ausbildungsverhältnisses kommen insbesondere in Betracht:

  • Der vorheriger Besuch eines schulischen Berufsgrundbildungsjahres oder einer Berufsfachschule (Dauer der Verkürzung: 6 oder 12 Monate).
  • Eine vorangegangene Berufsausbildung, sei es in demselben Beruf (z.B. bei Fortsetzung nach Abbruch der Berufsausbildung) oder in einem anderen, insbesondere verwandten Ausbildungsberuf (Dauer der Verkürzung: in Abhängigkeit von der Dauer der voran gegangenen Berufsausbildung bzw. deren Abschluss, in der Regel max. 12. Monate).
  • Eine höhere schulische Allgemeinbildung, z.B. Realschulabschluss (Dauer der Verkürzung: max. 6 Monate), Hochschul- oder Fachhochschulreife (Dauer der Verkürzung: max. 12 Monate).

 

Die angegebenen Verkürzungsgründe und Verkürzungszeiten sind Empfehlungen; in jedem Einzelfall sollten die an der Berufsausbildung Beteiligten sorgfältig abwägen, ob und wie lange eine Verkürzung in Frage kommt. Die individuelle Verkürzung bedarf eines Antrages und der vertraglichen Vereinbarung sowie der Berücksichtigung bei der Erstellung des "betrieblichen Ausbildungsplanes", da alle in der Ausbildungsordnung vorgeschriebenen Ausbildungsinhalte - in entsprechend verkürzter Zeit - vermittelt werden müssen.


Antrag auf Verkürzung (gem. § 8 Abs. 1 BBiG)

Über den Antrag auf Verkürzung der Ausbildung entscheidet die zuständige Stelle (Industrie- und Handelskammer). Für Zeitpunkt und Form des Antrags gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Die Verkürzung wird direkt bei Abschluss des Ausbildungsvertrages vereinbart, die Zeiten und die Gründe für die Verkürzung werden im Ausbildungsvertrag, der der zuständigen Stelle zur Eintragung in das "Verzeichnis der Ausbildungsverhältnisse" eingereicht wird, vermerkt und entsprechende Nachweise (Kopien von Zeugnissen) beigefügt. Der so eingereichte Ausbildungsvertrag stellt dann den Antrag dar, dem mit der Eintragungsbestätigung der zuständigen Stelle stattgegeben wird.
  • Die Verkürzung wird zu einem späteren Zeitpunkt nach Ausbildungsbeginn vereinbart: Der zuständigen Stelle muss diese Vereinbarung formlos, aber schriftlich unter Angabe von Zeiten und Gründen sowie Nachweisen (siehe oben) mitgeteilt werden. Gleichzeitig muss die sachliche und zeitliche Gliederung der Ausbildung (betrieblicher Ausbildungsplan) entsprechend der Verkürzung geändert werden. Beide Vertragspartner (Betrieb und Auszubildender) erhalten eine geänderte Eintragungsbestätigung, die dann die Vertragsänderung wirksam werden lässt. Im Hinblick insbesondere auf den zwingend zu ändernden "betrieblichen Ausbildungsplan" kommt eine nachträgliche Verkürzung der Ausbildungszeit nur dann in Betracht, wenn noch mindestens eine einjährige Ausbildungsdauer durchgeführt werden kann. Wird der Antrag erst im Laufe der letzten 12 Monate der Ausbildungszeit gestellt, so wird dieser als Antrag auf vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung (nach Maßgabe des § 45 Abs. 1 BBiG) behandelt.


Vorzeitige Zulassung

Auch die vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung (§ 45 Abs. 1 BBiG) führt de facto zu einer Verkürzung der Ausbildung, bedingt im Gegensatz zu den oben genannten Verkürzungstatbeständen jedoch keine Vertragsänderung. Der Ausbildungsvertrag wird in diesem Fall nur dann berührt, wenn der Aus­zubildende die Abschlussprüfung, zu der er vorzeitig zugelassen wurde, besteht, da ein Ausbildungsverhältnis mit dem Tag des Bestehens der Abschlussprüfung beendet wird.

Grundsätzlich können bei einem Ausbildungsverhältnis mehrere Verkürzungsgründe - die vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung inbegriffen - zusammentreffen, es gilt jedoch eine Mindestausbildungszeit zu beachten, die nicht unterschritten werden darf. Sie beträgt bei einer regulären Ausbildungszeit von 3 Jahren 18 Monate.


(Quelle: IHK Köln, August 2017; https://www.ihk-koeln.de/3763_Verkuerzung_der_Ausbildungszeit.AxCMS)

Aufgabengebiete

Tischler/innen finden Beschäftigung

  • bei Herstellern von Möbeln, Holzwaren oder Holzkonstruktionsteilen
  • im Tischlerhandwerk, z.B. in Bautischlereien

 

Tischler/innen stellen Schränke, Sitzmöbel, Tische, Fenster und Türen, aber auch Innenausbauten sowie Messe- und Ladeneinrichtungen meist in Einzelanfertigung her. Zunächst beraten sie ihre Kunden über Einrichtungslösungen, u.U. nehmen sie dabei Skizzen oder den Computer zu Hilfe. Nach der Auftragserteilung be- und verarbeiten sie Holz und Holzwerkstoffe mit einer Vielzahl unterschiedlicher, auch computergesteuerter Techniken. Tischler/innen sägen, hobeln und schleifen, verarbeiten Furniere und behandeln die Holzoberflächen. Einzeln angefertigte Teile verschrauben oder verleimen sie zu fertigen Holzprodukten.

Auf Baustellen setzen sie Fenster, Treppen und Türen ein; in Wohn- oder Büroräumen verlegen sie Parkettböden und montieren Einbaumöbel, Raumteiler oder Wandverkleidungen. Außerdem reparieren sie beschädigte Möbel oder gestalten Musterstücke.

(Quelle: Bundesagentur für Arbeit, August 2017. Weitreichendere Informationen zu den Tätigkeiten finden Sie hier.)

Voraussetzung

Voraussetzung für den Zugang zu einer dualen Ausbildung ist ein Ausbildungsvertrag mit einem Ausbildungsbetrieb. Die Ausbildungsbetriebe suchen sich Auszubildende nach eigenen Kriterien (z.B. schulische Vorbildung) aus.
Jugendliche unter 18 Jahren müssen eine ärztliche Bescheinigung über eine Erstuntersuchung vorlegen.

 

(Quelle: Bundesagentur für Arbeit, August 2017. https://berufenet.arbeitsagentur.de/berufenet/faces/index?path=null/kurzbeschreibung/zugangzurausbildung&dkz=4460)

 

Abschluss

Die Ausbildung endet mit der Gesellenprüfung. Auch die Prüfung gliedert sich in einen theoretischen und einen praktischen Teil. Die theoretische Prüfung findet ganztägig statt und fragt Kenntnisse in den Fächern Konstruktion und Gestaltung, Fertigungs- und Montagetechnik, Werkstofftechnik, Politik und Wirtschaftslehre sowie Mathematik ab.
Die praktische Prüfung unterteilt sich in zwei Schwerpunktbereiche: Die Arbeitsaufgabe II (nach alter Ausbildungsordnung das Gesellenstück), ein umfangreicheres Bauteil (meist ein Möbel, seltener eine Haustür, ein Fenster, eine Treppe), das über einen längeren Zeitraum von zwei bis drei Wochen im Betrieb erstellt wird, und die Arbeitsaufgabe I (nach alter Ausbildungsordnung die Arbeitsprobe), die für alle Teilnehmer zeitgleich im Ausbildungszentrum in insgesamt höchstens 7 Stunden anzufertigen ist.

Ausbildungsbetrieb

Wer eine Ausbildung oder ein Praktikum beginnen möchte, setzt sich am besten mit der Tischler-Innung Düren-Jülich oder einem Tischler-Betrieb in der Nähe in Verbindung. Hilfreich ist auch ein Gespräch mit dem Team des Bildungsgangs oder den Berufsberatern des Arbeitsamtes.

 

Perspektiven

Anpassungsweiterbildung hilft, das berufliche Wissen aktuell zu halten und an neue Entwicklungen anzupassen (z.B. in den Bereichen Holzbe- und -verarbeitung, Fenster-, Türen-, Treppenbau, Möbelbau, Holzschutz).

Darüber hinaus kann sich der Trend, 3-D-Druck in der Holzverarbeitung einzusetzen, zu einem wichtigen Weiterbildungsthema für Tischler/innen entwickeln.

Weitere Informationen zur Anpassungsweiterbildung im Tischlerhandwerk erfahren Sie auf den Internetseiten der Bundesagentur für Arbeit.

 

Aufstiegsweiterbildung bietet die Möglichkeit, beruflich voranzukommen und in Führungspositionen zu gelangen (z.B. durch die Prüfung als Tischlermeister/in oder eine Weiterbildung als Techniker/in der Fachrichtung Holztechnik).

Ein Studium eröffnet weitere Berufs- und Karrierechancen (z.B. durch einen Bachelorabschluss im Studienfach Holztechnik oder Innenarchitektur).

Unter bestimmten Voraussetzungen ist auch ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung ein Studium möglich.

Weitere Informationen zur Aufstiegsweiterbildung im Tischlerhandwerk erfahren Sie auf den Internetseiten der Bundesagentur für Arbeit.

Unterrichtsinhalte

1. Ausbildungsjahr

Schultage: Montag und Dienstag

Unterrichtsfächer

 

  • Entwicklungs- und Planungsprozesse

  • Fertigungsprozesse

  • Fremdsprachliche Kommunikation

  • Wirtschafts- und Betriebslehre

  • Deutsch/Kommunikation

  • Sport/Gesundheitsförderung

  • Religionslehre

  • Politik/Gesellschaftslehre

2. Ausbildungsjahr

Schultag: Freitag

Unterrichtsfächer

 

  • Entwicklungs- und Planungsprozesse

  • Fertigungsprozesse

  • Montage/Service

  • Fremdsprachliche Kommunikation¹

  • Wirtschafts- und Betriebslehre

  • Politik/Gesellschaftslehre

 

¹Wird aufgrund eines Fachlehrermangels in diesem Bereich zur Zeit nicht unterrichtet.

3. Ausbildungsjahr

Schultag: Mittwoch

Unterrichtsfächer

 

  • Entwicklungs- und Planungsprozesse

  • Fertigungsprozesse

  • Montage/Service

  • Fremdsprachliche Kommunikation¹

  • Wirtschafts- und Betriebslehre

  • Politik/Gesellschaftslehre

 

¹Wird aufgrund eines Fachlehrermangels in diesem Bereich zur Zeit nicht unterrichtet.

Lernfelder und Bündelungsfächer

Bündelungsfächer

Zusammenfassung der Lernfelder

Lernfelder des KMK-Rahmenlehrplans, die sich aus gleichen oder affinen beruflichen Handlungsfeldern ableiten, sind zu Bündelungsfächern zusammengefasst. Diese Bündelungsfächer sind in der Regel über die gesamte Ausbildungszeit ausgewiesen. Die Leistungsbewertungen innerhalb der Lernfelder werden zur Note des Bündelungsfaches zusammengefasst. Eine Dokumentation der Leistungsentwicklung über die Ausbildungsjahre hinweg ist somit sichergestellt.

 

Es gibt drei Bündelungsfächer:

  • Entwicklungs- und Planungsprozesse (EPP)
  • Fertigungsprozesse (FP)
  • Montage/Service (M/S)

 

(Quelle: Lehrplan für das Berufskolleg in Nordrhein-Westfalen 'Tischlerin/Tischler', Seite 11/12)

Lernfeldübersicht und Zuordnung zu den Bündelungsfächern

1. Ausbildungsjahr

Lernfeld 1 ( 80. Wochenstd.) EPP

Einfache Produkte aus Holz herstellen


Lernfeld 2 ( 80. Wochenstd.) FP

Zusammengesetzte Produkte aus Holz und Holzwerkstoffen herstellen


Lerndfeld 3 ( 80. Wochenstd.) EPP

Produkte aus unterschiedlichen Werkstoffen herstellen


Lernfeld 4 ( 80. Wochenstd.) FP

Kleinmöbel herstellen

2. Ausbildungsjahr

Lernfeld 5 (80 Wochenstd.) EPP

Einzelmöbel herstellen


Lernfeld 6 (60 Wochenstd.) FP

Systemmöbel herstellen


Lernfeld 7 (60 Wochenstd.) M/S

Einbaumöbel herstellen und montieren


Lernfeld 8 (80 Wochenstd.) M/S

Raum begrenzende Elemente des Innenausbaus herstellen und montieren

3. Ausbildungsjahr

Lernfeld 9 (60 Wochenstd.) FP

Bauelemente des Innenausbaus herstellen und montieren


Lernfeld 10 (100 Wochenstd.) FP

Baukörper abschließende Bauelemente herstellen und montieren


Lernfeld 11 (40 Wochenstd.) M/S

Erzeugnisse warten und instand halten


Lernfeld 12 (80 Wochenstd.) EPP

Einen Arbeitsauftrag aus dem Tätigkeitsfeld ausführen