Tischler

Allgemeines

Ausbildungsdauer

Tischler/in ist ein 3-jähriger anerkannter Ausbildungsberuf im Handwerk.

 

Allgemeines zur Verkürzung / Verlängerung der Ausbildungszeit
Grundsätzlich muss die in der Ausbildungsordnung vorgegebene Ausbildungszeit  eingehalten werden. Vertraglich können Ausbildungsbetrieb und Auszubildende eine Abänderung der Ausbildungszeit nicht herbeiführen. Die Ausbildungszeit kann jedoch in besonderen Fällen von der Handwerkskammer auf Antrag verkürzt oder verlängert werden. Stimmt die Handwerkskammer dem Antrag zu, wird die Ausbildungszeit dann hoheitlich geändert.

 

Verkürzung der Ausbildungszeit
Die in der Ausbildungsordnung angegebene Ausbildungszeit kann bereits beim Abschluss des Ausbildungsvertrages verkürzt werden. Verkürzungsgründe sind beispielsweise:

  • Fachoberschulreife (6 Monate)
  • Fachhochschulreife (12 Monate)
  • Abitur (12 Monate)
  • Abgeschlossene Berufsausbildung (12 Monate)
  • Lebensalter > 21 Jahre (12 Monate)

 

Diese Verkürzungsgründe können auch noch nach Beginn der Ausbildung geltend gemacht werden. Bei weniger als 12 Monaten bis zum formellen Ausbildungsende kann nur noch über die sogenannte „Vorzeitige Zulassung zur Gesellenprüfung“ eine Verkürzung herbeigeführt werden.

 

Bei Fortsetzung der Berufsausbildung in demselben Beruf kann die zurückgelegte Ausbildungszeit ganz oder teilweise angerechnet werden.

 

Bei Nachweis einer einschlägigen Berufstätigkeit (im Berufsfeld) kann diese angemessen berücksichtigt werden (z. B. Verkürzung um 12 Monate bei mind. 4-jähriger einschlägiger Berufstätigkeit).

 

Hierzu muss unter Punkt A des Ausbildungsvertrages der Verkürzungsgrund und die Verkürzungsdauer angegeben werden. Die Zeugnisse und sonstigen Unterlagen, die den Verkürzungsgrund belegen, sind in Kopie beizufügen. Mit Eintragung des Lehrvertrages in die Lehrlingsrolle wird die Verkürzung wirksam.

 

Der/die Auszubildende hat trotz Verkürzung der Ausbildungszeit im Regelfall keinen Anspruch darauf, bereits entsprechend früher die Vergütung des 2. Ausbildungsjahres zu erhalten, weil die Ausbildungszeit hinten und nicht vorne verkürzt wird.

 

 

Verkürzung bei erfolgreichem Besuch der Berufsfachschule
Hat der/die Auszubildende eine Berufsfachschule erfolgreich besucht, kann diese Zeit auf gemeinsamen Antrag von Betrieb und Auszubildendem/Auszubildender wie folgt angerechnet werden:

  • Zweijährige, zu einem mittleren Schulabschluss führende Berufsfachschulen: Sechs oder zwölf Monate
  • Mehrjährige Berufsfachschulen, die zu beruflichen Kenntnissen und zur Fachhochschulreife führen: Sechs oder zwölf Monate
  • Mindestens dreijährige Berufsfachschulen, die zu beruflichen Kenntnissen und zur Hochschulreife führen: Zwölf oder achtzehn Monate

 

Die Ausbildungszeit wird also in diesem Falle insoweit durch die schulischen Vorausbildungszeiten ersetzt. Der/die Auszubildende hat in diesem Fall entsprechend früher Anspruch auf die Ausbildungsvergütung des nächsten Ausbildungsjahres.

 

Verkürzung beim erfolgreichen Abschluss eines Berufsgrundbildungsjahr (BGJ)
Ob und inwieweit der erfolgreiche Besuch (also Abschlusszeugnis, nicht nur Abgangszeugnis) eines schulischen BGJ (früher Berufsgrundschuljahr, heute Berufsgrundbildungsjahr) auf die Ausbildungszeit angerechnet werden kann, hängt von der entsprechenden Anrechnungsverordnung der einzelnen Bundesländer ab. In NRW regelt es die BKAZVO (Berufskollegsanrechnungs- u. zulassungsverordnung).

 

BGJ kann mit 6 oder 12 Monaten angerechnet werden.

 

Die Anrechnung bei BGJ und Berufsfachschule ist nicht verpflichtend. Der Antrag wird gemeinsam von Betrieb und Azubi gestellt. Wird die Berufsfachschule oder das BGJ freiwillig angerechnet, hat der Azubi entsprechend früher Anspruch auf die nächsthöhere Vergütung.

 

Verkürzung bei guten Leistungen
Ein weiterer Verkürzungsgrund besteht, wenn der Auszubildende

  • in der betrieblichen Ausbildung
  • und in den berufsbezogenen Fächern der Berufsschule
    jeweils gute Leistungen (Durchschnitt jeweils mind. 2, 49) nachweist.

 

Erforderlich ist hierzu ein schriftlicher Antrag bei der Handwerkskammer (Antragsformular für Verkürzung/Verlängerung der Ausbildung). Dem Antrag ist eine betriebliche Beurteilung sowie eine Kopie des letzten Berufsschulzeugnisses beizufügen. Mit Stattgabe des Antrages wird das Ausbildungsverhältnis dann durch die Handwerkskammer verkürzt.

 

Vorzeitige Zulassung zur Gesellenprüfung
Schließlich besteht noch die Möglichkeit  der vorzeitigen Ablegung der Gesellen-/Abschlussprüfung. Gem. § 37 HwO kann der Auszubildende nämlich bereits 6 Monate vor seinem regulären Prüfungstermin zur Prüfung zugelassen werden, wenn er

  • in der betrieblichen Ausbildung
  • und in den berufsbezogenen Fächern der Berufsschule
    jeweils gute Leistungen (Durchschnitt jeweils mind. 2, 49) nachweist.

 

Auch hier sind eine Kopie des letzten Berufsschulzeugnisses und die betriebliche Beurteilung beizufügen.

 

Die vorzeitige Zulassung muss bei der die Prüfung durchführenden Stelle (Handwerkskammer bzw. Innung) unter Vorlage einer Beurteilung des Betriebes, des letzten Berufsschulzeugnisses sowie den üblichen Anmeldeunterlagen zur Prüfung beantragt werden (Antragsformular für Verkürzung/Verlängerung der Ausbildung). Mit Bestehen der vorzeitigen Prüfung endet das Ausbildungsverhältnis.

 

Bitte wenden Sie sich an Ihre Ansprechpartner bei der HWK Aachen.

 

Zusammentreffen mehrerer Verkürzungsgründe
Mehrere Verkürzungsgründe können gegebenenfalls  kombiniert werden. Die Ausbildungsvertragsdauer darf jedoch folgende Mindestzeiten nicht unterschreiten:

  • Regelausbildungszeit 42 Monate   Mindestzeit 24 Monate
  • Regelausbildungszeit 36 Monate   Mindestzeit 18 Monate
  • Regelausbildungszeit 24 Monate   Mindestzeit 12 Monate

 


(Quelle: HWK Köln, September 2020; https://www.hwk-koeln.de/artikel/verkuerzung-verlaengerung-der-ausbildungszeit-32,979,373.html)

Aufgabengebiete

Tischler/innen finden Beschäftigung

  • bei Herstellern von Möbeln, Holzwaren oder Holzkonstruktionsteilen
  • im Tischlerhandwerk, z.B. in Bautischlereien

 

Tischler/innen stellen Schränke, Sitzmöbel, Tische, Fenster und Türen, aber auch Innenausbauten sowie Messe- und Ladeneinrichtungen meist in Einzelanfertigung her. Zunächst beraten sie ihre Kunden über Einrichtungslösungen, u.U. nehmen sie dabei Skizzen oder den Computer zu Hilfe. Nach der Auftragserteilung be- und verarbeiten sie Holz und Holzwerkstoffe mit einer Vielzahl unterschiedlicher, auch computergesteuerter Techniken. Tischler/innen sägen, hobeln und schleifen, verarbeiten Furniere und behandeln die Holzoberflächen. Einzeln angefertigte Teile verschrauben oder verleimen sie zu fertigen Holzprodukten.

Auf Baustellen setzen sie Fenster, Treppen und Türen ein; in Wohn- oder Büroräumen verlegen sie Parkettböden und montieren Einbaumöbel, Raumteiler oder Wandverkleidungen. Außerdem reparieren sie beschädigte Möbel oder gestalten Musterstücke.

(Quelle: Bundesagentur für Arbeit, August 2017. Weitreichendere Informationen zu den Tätigkeiten finden Sie hier.)

Voraussetzung

Voraussetzung für den Zugang zu einer dualen Ausbildung ist ein Ausbildungsvertrag mit einem Ausbildungsbetrieb. Die Ausbildungsbetriebe suchen sich Auszubildende nach eigenen Kriterien (z.B. schulische Vorbildung) aus.
Jugendliche unter 18 Jahren müssen eine ärztliche Bescheinigung über eine Erstuntersuchung vorlegen.

 

(Quelle: Bundesagentur für Arbeit, August 2017. https://berufenet.arbeitsagentur.de/berufenet/faces/index?path=null/kurzbeschreibung/zugangzurausbildung&dkz=4460)

 

Abschluss

Die Ausbildung endet mit der Gesellenprüfung. Auch die Prüfung gliedert sich in einen theoretischen und einen praktischen Teil. Die theoretische Prüfung findet ganztägig statt und fragt Kenntnisse in den Fächern Konstruktion und Gestaltung, Fertigungs- und Montagetechnik, Werkstofftechnik, Politik und Wirtschaftslehre sowie Mathematik ab.
Die praktische Prüfung unterteilt sich in zwei Schwerpunktbereiche: Die Arbeitsaufgabe II (nach alter Ausbildungsordnung das Gesellenstück), ein umfangreicheres Bauteil (meist ein Möbel, seltener eine Haustür, ein Fenster, eine Treppe), das über einen längeren Zeitraum von zwei bis drei Wochen im Betrieb erstellt wird, und die Arbeitsaufgabe I (nach alter Ausbildungsordnung die Arbeitsprobe), die für alle Teilnehmer zeitgleich im Ausbildungszentrum in insgesamt höchstens 7 Stunden anzufertigen ist.

Ausbildungsbetrieb

Wer eine Ausbildung oder ein Praktikum beginnen möchte, setzt sich am besten mit der Tischler-Innung Düren-Jülich oder einem Tischler-Betrieb in der Nähe in Verbindung. Hilfreich ist auch ein Gespräch mit dem Team des Bildungsgangs oder den Berufsberatern des Arbeitsamtes.

 

Perspektiven

Anpassungsweiterbildung hilft, das berufliche Wissen aktuell zu halten und an neue Entwicklungen anzupassen (z.B. in den Bereichen Holzbe- und -verarbeitung, Fenster-, Türen-, Treppenbau, Möbelbau, Holzschutz).

Darüber hinaus kann sich der Trend, 3-D-Druck in der Holzverarbeitung einzusetzen, zu einem wichtigen Weiterbildungsthema für Tischler/innen entwickeln.

Weitere Informationen zur Anpassungsweiterbildung im Tischlerhandwerk erfahren Sie auf den Internetseiten der Bundesagentur für Arbeit.

 

Aufstiegsweiterbildung bietet die Möglichkeit, beruflich voranzukommen und in Führungspositionen zu gelangen (z.B. durch die Prüfung als Tischlermeister/in oder eine Weiterbildung als Techniker/in der Fachrichtung Holztechnik).

Ein Studium eröffnet weitere Berufs- und Karrierechancen (z.B. durch einen Bachelorabschluss im Studienfach Holztechnik oder Innenarchitektur).

Unter bestimmten Voraussetzungen ist auch ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung ein Studium möglich.

Weitere Informationen zur Aufstiegsweiterbildung im Tischlerhandwerk erfahren Sie auf den Internetseiten der Bundesagentur für Arbeit.

Unterrichtsinhalte

1. Ausbildungsjahr

Schultage: Montag und Dienstag

 

Unterrichtsfächer

  • Entwicklungs- und Planungsprozesse

  • Fertigungsprozesse

  • Fremdsprachliche Kommunikation

  • Wirtschafts- und Betriebslehre

  • Deutsch/Kommunikation

  • Sport/Gesundheitsförderung

  • Religionslehre

  • Politik/Gesellschaftslehre

2. Ausbildungsjahr

Schultage: 1. Halbjahr Donnerstag/Freitag
                    2. Halbjahr Freitag

 

Unterrichtsfächer

  • Entwicklungs- und Planungsprozesse

  • Fertigungsprozesse

  • Montage/Service

  • Fremdsprachliche Kommunikation¹

  • Wirtschafts- und Betriebslehre

  • Politik/Gesellschaftslehre

 

¹Wird aufgrund eines Fachlehrermangels in diesem Bereich zur Zeit nicht unterrichtet.

3. Ausbildungsjahr

Schultag: Mittwoch

 

Unterrichtsfächer

  • Entwicklungs- und Planungsprozesse

  • Fertigungsprozesse

  • Montage/Service

  • Fremdsprachliche Kommunikation¹

  • Wirtschafts- und Betriebslehre

  • Politik/Gesellschaftslehre

 

¹Wird aufgrund eines Fachlehrermangels in diesem Bereich zur Zeit nicht unterrichtet.

Lernfelder und Bündelungsfächer

Bündelungsfächer

Zusammenfassung der Lernfelder

Lernfelder des KMK-Rahmenlehrplans, die sich aus gleichen oder affinen beruflichen Handlungsfeldern ableiten, sind zu Bündelungsfächern zusammengefasst. Diese Bündelungsfächer sind in der Regel über die gesamte Ausbildungszeit ausgewiesen. Die Leistungsbewertungen innerhalb der Lernfelder werden zur Note des Bündelungsfaches zusammengefasst. Eine Dokumentation der Leistungsentwicklung über die Ausbildungsjahre hinweg ist somit sichergestellt.

 

Es gibt drei Bündelungsfächer:

  • Entwicklungs- und Planungsprozesse (EPP)
  • Fertigungsprozesse (FP)
  • Montage/Service (M/S)

 

(Quelle: Lehrplan für das Berufskolleg in Nordrhein-Westfalen 'Tischlerin/Tischler', Seite 11/12)

Lernfeldübersicht und Zuordnung zu den Bündelungsfächern

1. Ausbildungsjahr

Lernfeld 1 ( 80. Wochenstd.) EPP

Einfache Produkte aus Holz herstellen


Lernfeld 2 ( 80. Wochenstd.) FP

Zusammengesetzte Produkte aus Holz und Holzwerkstoffen herstellen


Lerndfeld 3 ( 80. Wochenstd.) EPP

Produkte aus unterschiedlichen Werkstoffen herstellen


Lernfeld 4 ( 80. Wochenstd.) FP

Kleinmöbel herstellen

2. Ausbildungsjahr

Lernfeld 5 (80 Wochenstd.) EPP

Einzelmöbel herstellen


Lernfeld 6 (60 Wochenstd.) FP

Systemmöbel herstellen


Lernfeld 7 (60 Wochenstd.) M/S

Einbaumöbel herstellen und montieren


Lernfeld 8 (80 Wochenstd.) M/S

Raum begrenzende Elemente des Innenausbaus herstellen und montieren

3. Ausbildungsjahr

Lernfeld 9 (60 Wochenstd.) FP

Bauelemente des Innenausbaus herstellen und montieren


Lernfeld 10 (100 Wochenstd.) FP

Baukörper abschließende Bauelemente herstellen und montieren


Lernfeld 11 (40 Wochenstd.) M/S

Erzeugnisse warten und instand halten


Lernfeld 12 (80 Wochenstd.) EPP

Einen Arbeitsauftrag aus dem Tätigkeitsfeld ausführen